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Damals genügte ein Handschlag.
Damals, als Erik, der Däne, in Montemerano landete und die
Bauern des Dorfes zur „Mora“ (italienisches Handspiel)
herausforderte, als spät in der Nacht seine vom Spiel erröteten
Finger sich mit denen seiner Gegenspieler in voller Übereinstimmung
verschränkten mit den Worten: “es soll gelten“.
Auch wenn dies nach so vielen Gläsern geschah, dass keiner
der Anwesenden mehr richtig im Stande war in die Augen des andern
zu starren: „es soll gelten“ Erik, der Ausländer
konnte ruhig schlafen denn Cignale, Toncausci, Tascapane, Calzafina
und alle anderen Winzer hätten ihm am nächsten Tag die
Trauben wie nach Vereinbarung, zum festgesetzten Preis und festgesetzter
Quantität übergeben. „Es soll gelten“, Erik
hätte aus diesen Trauben einen guten Wein gemacht.
Cignale, Calzafina, Erik der Däne, die „Mora“ in
den kleinen Weinkellern, Handschläge die einen Vertrag bedeuten:
das sind keine Gestalten aus einer mittelalterlichen Novelle oder
einem Zeitungsroman aus dem 18.Jahrhundert, das ist die wahre Geschichte,
die Geschichte von vorgestern, aus den siebziger Jahren, aus mehr
als nächster Vergangenheit. Und doch, wenn man heute daran denkt,
scheint es vor einem Jahrhundert geschehen zu sein. Im kurzen Zeitabschnitt
zwischen damals und unserem Zweitausend geschah ein Wirtschaftswunder:
der schlechte, maremmanische Wein wurde zu „goldenem Rot“
verwandelt, wie ein Fluss mit Hochwasser und einer Menge von vielen
„Goldsuchern“! Das Wunder des Morellino von Scansano,
eines jungen Doc-Weins, auf Eroberung des internationalen Marktes,
wie ein starker Investitionsmagnet für Miliardäranleger!
Im Hauch von drei Jahrzehnten hat er den Verdienst und die Gewohnheiten
einer kleinen, antiken Welt, wenn auch nicht im Aussehen jedoch innerlich
verändert. Ein Geschenk für eine Erde die gierig auf Entwicklung
gewartet hat, aber auch das Ende einer Epoche, als treue Handschläge
und Zeichen des Einverständnisses alle Unterschriften und Stempelpapiere,
wo „Mora-Spiele“ die Handelsregister und Marketingstrategien
ersetzt hatten.
Das ist große die Bedauerung von Erik. Aber wer ist eigentlich
Erik Banti? Mütterlicherseits ist er Däne, Toskaner seitens
des Vaters, durch die römische Welt und innerlich durch die Hügel
von Montepulciano wurde er geprägt, aber neugeboren ist er zwischen
den Rebbergen von Montemerano; heute jedoch wohnt er aus geschäftlichen
Gründen in Scansano und dann ist er mit viel Freude auch an den
sonnigen Stränden von Spanien gelandet; ein Weltenbürger
der fünf Kontinente der, nachdem er das Schloss der „Isola
Farnese“ verlassen hat sich heute – zwischen einem Flug
und dem anderen - in einem „Motorhome“, in Sutri parkiert,
ausruht. Eine Zigeunernatur mit starken Wurzeln, ein wandelnder Gentlemen,
ein Existenzplayboy. Einer der mit tausenden von Erfahrungen, vielen
Frauen und unzähligen Ländern geflirtet hat, der jedoch
seit immer und mit Stolz seine väterliche Herkunft geltend macht:
das Wunder des Morellino von Scansano, Frucht einer langen und leidenschaftlichen
Liebe zur maremmanischen Erde. Denn über einen Punkt sind sich
alle einig, Freunde und Verleumder, Hagiologhen und unparteiische
Fachmänner, Liebhaber und Amateure: wenn die „mater certa“
des Morellino die Maremma ist, so ist stellvertretender Vater ihres
Erfolgs Erik Banti. |