| Als ich das Wagnis begann und entschied,
kurze Schnitte anzuwenden, die Quantität dem grausamen Grünschnitt
zu opfern, Edelstahlbehälter einzusetzen, und für Hygiene
in den Kellern zu sorgen, wurde ich von meinen Nachbarn weniger
als ein Kollege, sondern vielmehr als Alchimist von einem anderen
Planet angesehen.
Wenige von meinen Weinen aus jenen Jahren kamen zur Abfüllung
– sie endeten meist im Ausguss. Doch mit der ´81er Lese
verkorkte ich im kleinem Keller in Montemerano die erste Flasche
Morellino.
Die damalige, von Enthusiasmus, Opferbereitschaft und Leichtsinn
geprägte Epoche zählt zu meinen liebsten Erinnerungen.
Der frisch mit der DOC-Appellation ausgezeichne Morellino war
eine unbekannte Größe und wurde lediglich in damigiane
(heute nicht mehr gebräuchliche 56 l Ballonflaschen, A.d.R.)
abgefüllt, die die Winzer an Liebhaber und Touristen verkauften,
die die herrlichen Küsten der Maremma bereisten.
In der Folge kamen die ersten, für mich und die Geschichte
des Morellino gleichermaßen wertvolle Anerkennungen. Neue
„Napoleons“, die anhand dieses Vorreiters
die hervorragende Qualität der Trauben aus Scansano überprüft
hatten, siedelten hier ihre Garnisonen an, so dass unsere bukolischen
Schotterwege sich fast in elegante Straßen wie Via Spiga oder
Rodeo Drive verwandelt haben.
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