Die erste Glanzzeit seines
Weins erlebte Scansano, als das napoleonische Heer Anfang des 19.
Jhs. vor Ort eine Garnison für die Truppen schuf, die gegen das
damals vom Vatikan regierte Rom marschieren sollten, denn anders als
die nahen Ebenen und Küsten, war Scansano dank seiner Lage in
500 m Höhe nicht mit Malaria infiziert, so dass nahezu ein Jahrhundert
lang alle öffentlichen Einrichtungen während der Sommermonate
von Grosseto in diesen Weiler verlegt wurden, der so als sommerliche
Hauptstadt der Maremma galt.
Einige sowohl der Önologie als auch den Waffen aufgeschlossene
Offiziere erkannten die weinbauliche Eignung dieser Zone und es kam
zur ersten Klassifizierung der Lokalproduktion, die sich 1818 bereits
auf stolze 5.000 hl belief, wovon 500 hl zu Riserva ausgebaut wurden:
Für damals durchaus ansehliche Zahlen!
So bestockte man die Zone mit Grenache – eine nach ihrem
spanischen Ursprung auch als „tinto di Spagna oder
Alicante“ bezeichnete Rebsorte, die mit der in Katalonien
kultivierten Garnacha, ebenso wie mit der in der Languedoc für
den Châteaux neuf du Pape genutzten Grenache noir und mit
dem auf Sardinien angebauten Cannonau identisch ist - neben Syrah,
Gamay Noir (die einzige, für den Beaujolais verwendete Varietät)
sowie mit Cabernet, der noch heute, wenngleich selten, in den ältesten
Weinbergen zu finden ist und von alten Winzern bordò genannt
wird.
Der in Scansano „Morellino“ gerufene
Sangiovese war längst in dieser Zone heimisch, erfuhr jedoch
durch die Entwicklung des modernen Weinbaus neuen Aufschwung. Baron
Ricasoli, der in diese Gegend zur Jagd kam, erkannte die Qualität
der maremmanischen Reben und legte für das von ihm abgefasste
Chianti-Disziplinar fest, dass in den Weinbergen der vortrefflichen
Güter des Chianti die Pfropfreben und Edelreiser aus Scansano
angewurzelt werden sollten.
Zu jener Zeit bevorzugte man sehr hohe Pflanzdichten („dicht
und niedrig“) mit mehr als 10.000 Stöcken/ha. Die Rebfläche
war Ende des 19 Jhs. auf 500 Hektar angewachsen.
Dann dezimierte die Reblaus die europäischen Weinberge; Kriege
und Desinteresse stürzten den Weinbau der Maremma in eine tiefe
Depression. Dank der Agrarreform der 50er Jahre erhielten die Rebzeilen,
die über ein halbes Jahrhundert lang lediglich die Felder abgegrenzt
hatten, neue Bedeutung im Rahmen der maremmanischen Agrarwirtschaft.
Um der Industrie zu Aufschwung zu verhelfen, wurde die Landwirtschaft
mechanisiert und die Weinberge mit 2.224 Pflanzen/ha bestockt. Aufgrund
der damaligen niedrigen Traubenpreise waren die Winzer gezwungen,
ertragsreiche Rebsorten wie den roten Ciliegiolo oder den weißen
Trebbiano anzupflanzen. Nur so konnten sie überleben, angesichts
der vorherrschenden Marktgesetze und einer töricht kurzsichtigen
Genossenschaftspolitik, der sich niemand zu widersetzen getraute
oder wollte.
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